Geschichte
Vom Unterrock zum Heißluftballon:
Eine kleine Geschichte über das älteste Luftfahrzeug der Welt. Der uralte Menschheitstraum vom Fliegen, hat in vielen alten Legenden und Sagen sowie in fast allen Formen von Kunst und Literatur seinem brennenden Verlangen Ausdruck verliehen, die Gesetze der Schwerkraft zu überwinden und sich frei durch den Raum zu bewegen. Das wahrscheinlich bekannteste Beispiel ist "Ikarus". Entsprechend früh wurden die ersten Versuche zur Überwindung der Schwerkraft unternommen. Schon Archimedes von Syrakus (287 – 212 v.Chr.) entdeckte das Auftriebsprinzip des Wassers.

 

Dabei stellte er fest, ein eingetauchter Körper verliert genauso viel an Gewicht wie das von ihm verdrängte Wasser. Im 16. Jahrhundert fand Galileo Galilei heraus, dass auch Luft ein Gewicht hat.
Aber nicht nur in Europa war man am Fliegen interessiert. So brachte ein portugiesischer Priester 1709 das Modell eines Heißluftballons aus Brasilien mit nach Portugal, um es dem König vorzuführen.
Von einem erfolgreichen Flug des Ballons in Originalgröße ist geschichtlich leider nichts bekannt.
Immer wieder spekulieren Fachleute darüber, dass der Heißluftballon in Südamerika früher als in Europa bekannt war. Beispielsweise baute man 1975 einen funktionstüchtigen Heißluftballon aus Materialien, wie sie der Nazca-Kultur bereits vor über 2000 Jahren bekannt waren. Eventuell ist dies eine Erklärung für die bekannten Steinbildnisse in der Nazca Hochebene. Auch sagt man den alten Chinesen sehr frühe Experimente auf diesem Gebiet nach. Wie es auch gewesen sein mag, Könige hatten immer Recht weil man Ihnen nicht widersprechen durfte. Und so kommt es, dass am Anfang der Geschichte des Menschen am Himmel das berühmte Zitat von König Ludwig XVI. steht, mit welchem er die Montgolfiers geadelt hat:

SIC ITUR AD ASTRA
(so steigt man zu den Sternen empor)

Dem zuvor steht aber noch eine kleine Anekdote die in Frankreich kursierte. So sei die Erfindung des Heißluftballons, der Frau Montgolfier zu verdanken. Diese Dame aus Annonay, südlich von Lyon, hatte einen Unterrock waschen lassen, welchen sie zur Kirche anziehen wollte. Das Waschen geschah etwas spät und der Unterrock wurde, damit es noch rechtzeitig trocken wurde, auf einem Gestell über dem Ofen platziert. Plötzlich wurde das trockene und gestärkte Röckchen durch die warme Luftströmung des Ofens emporgehoben. Dieses Ereignis teilte Frau Montgolfier umgehend ihrem Gemahl mit.
Ihr Gemahl, Michel Joseph de Montgolfier (1740 - 1810) beobachtete, wie sich besagtes Kleidungsstück über dem heißen Ofen blähte und Richtung Decke schwebte. Sicherlich wissen wir, dass nicht alle Anekdoten geschichtlich wahr sind! Aber so, oder so ähnlich könnte es schon gewesen sein. Fakt ist, begründet auf der Erkenntnis und dem Wissen, dass warme Luft leichter sein müsse als kalte, kam Michel Joseph de Montgolfier die Idee zu einem Ballon, gefüllt mit heißer Luft, mit dem man sich in den Himmel erheben könne. Die Gebrüder Montgolfier waren berühmte Papierfabrikanten.
Ihre Fabrik hatte den Titel einer königlichen Manufaktur.
Im Jahre 1770 lebten sie daher in Vermögensverhältnissen, die es ihnen gestattete, sich neben der Papierfabrikation wissenschaftlichen Studien zu widmen. Sie fingen an, künstliche Wolken in Form von Papier-Ballonen zu Bauen. Diese füllten Sie mit Wasserdampf.
Der Versuch gelang, die „Papierwolken“ erhoben sich in die Luft. Leider sanken sie aber auch wieder viel zu schnell, nach dem sich der Wasserdampf abkühlte. Der 2. Versuch mit heißem Rauch fiel nicht viel besser aus. Erst der Versuch mit feuchtem Stroh und Wolle, die sie unter dem Papierballon entzündeten, brachte den Erfolg. Ihre Ballone stiegen nun zu ganz ansehnlicher Höhe empor. Besessen von der Vision die Lüfte zu erobern, konstruierte nun Michel Joseph de Montgolfier, zusammen mit seinem Bruder Ètienne Jaques de Montolfier (1745 - 1799) der Welt ersten Heißluftballon - die Montgolfiere, wie man ihn auch heute noch nennt. Dieser aus Leinwand, einem Hanfnetz und Papier gefertigter Prototyp stieg bei einem Test am 05. Juni 1783 das erste Mal auf. Nach geglücktem Erstversuch war der Gedanke, selbst in die Lüfte aufzusteigen kaum noch zu bändigen. Jedoch war damals eine weit verbreitete Meinung, dass Menschen oberhalb der Wolken keine Luft mehr bekämen und sterben müssten. Um auch die hartnäckigsten Zweifler und Kritiker zu überzeugen, Menschen aber nicht zu gefährden, startete man deshalb einen Tierversuch.
So kam es, dass die ersten „Fahrgäste“ eine Ziege, eine Ente und ein Huhn waren. Diese schickten sie am 19. September 1783 nach oben und beobachteten was passieren würde.
Als die Tiere wieder landeten waren sie wohlauf, nur das Huhn hatte wohl einen Tritt der Ziege abbekommen und sich den Flügel gebrochen. Damit ging es als das erste Opfer der Luftfahrt in die Geschichte ein.
Nach diesem Erfolg bauten die Montgolfiers einen ca. 2800 m³ großen Ballon, mit dem nun endlich Menschen in die Lüfte aufsteigen sollten.

Im November 1783 startet der erste bemannte Heißluftballon der Gebrüder Montgolfier unter den staunenden Augen König Ludwig des XVI. und Marie Antoinettes.
Die Fahrt dauerte nur 25 Minuten.
Einem Apotheker namens Jean Francois Rozier wurde die Ehre zuteil, zum ersten Luftfahrer der Welt gekürt zu werden.
König Ludwig XVI. war von der Eroberung des Luftraumes so fasziniert, dass er ein Gesetz erließ, welches das Ballonfahren fortan nur dem Adel erlaubte. Es ist daher eine alte Ballonfahrertradition, den Erstballonfahrer mit einer symbolischen Taufe in den Adelsstand zu erheben. Wie ein Lauffeuer verbreitete sich in Europa die Nachricht der französischen Erfolge.
Alle wollten es den Pionieren gleich tun. Bereits im Februar 1784 erfolgte die erste bemannte Ballonfahrt außerhalb Frankreichs in der Nähe von Mailand. Am 15. September 1784 startete der erste bemannte Ballon in England. Die Geschichte der Ballone entwickelte sich stetig weiter, wobei immer wieder neue Verwendungszwecke erdacht wurden. So ließ man auch für die Forschung Wetterballone steigen oder nutzte sie als Kundschafter zu militärischen Zwecken.
Am 07. Januar 1785 startete der Franzose Jean-Pierre Blanchard und Dr. John Jeffries (der erste US-Amerikaner in der Luft) zur erfolgreichen Überquerung des Ärmelkanal von England nach Frankreich.
Der Franzose Jean Pierre Blanchard unternahm am 03. Oktober 1785 den ersten Ballonstart in Deutschland. Die Fahrt ging von Frankfurt am Main bis Weilburg. Weitere Rekorde ließen nicht lange auf sich warten.
So gelang Auguste Piccard und seinem Assistent Paul Kipfer 1931 der Rekordaufstieg auf 15780 Meter Höhe. Mittlerweile haben Wissenschaft und Technik es möglich gemacht, dass eine Ballonfahrt für fast jedermann längst möglich ist. Die heutigen Ballone haben dabei mit den ersten Entwicklungen z.B. der Brüder Montgolfier nur noch das physikalische Prinzip gemein. Geblieben ist aber über all die Jahre, die Faszination welche jeden ergreift, der mit einem Ballon aufsteigt. Das beinahe unbeschreibliche Gefühl sich sanft vom Boden zu lösen und nur vom Wind gelenkt über das Land zu schweben, ist in keinem anderen Fluggerät so intensiv. Wenigstens einmal im Leben sollte sich jeder dieses Vergnügen gönnen.

...also worauf warten Sie, heben sie einfach mit uns ab...